Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2/2017

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement an der Sanitätsakademie der ­Bundeswehr

Aus der Sanitätsakademie der Bundeswehr (Kommandeurin: Generalstabsarzt Dr. G. Krüger)

Im Jahre 2015 fand eine 6 monatige Pilotphase zur Einführung des Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) in die Bundeswehr (Bw) statt. Die Sanitätsakademie der Bundeswehr (SanAkBw) war mit der Abteilung E des Direktorats Wissenschaft und Forschung als Taktgeber zur wissenschaftlichen Begleitung der Pilotphase von Anfang an mit beteiligt. So lag es nahe, dass auch die SanAkBw bereits in dieser Phase mit dem BGM begann. War man in den Anfängen des BGM noch als Einzelkämpfer unterwegs, so hat sich daraus eine vertrauensvolle und abgestimmte Zusammenarbeit mit den Dienststellen am Standort und dem zuständigen BGM Koordinator ent­wickelt.

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement an der Sanitätsakademie der ­Bundeswehr

Logo BGM

Worin besteht nun der neue Aspekt in dieser Art von präventiver Gesundheitsstrategie? Denn an der SanAkBw wurden schon seit vielen Jahren durch die Sportfeldwebel regelhaft Kurse im Bereich der Prävention angeboten, wie z. B. die Rückenschule. Diese waren aber im Rahmen des Dienst­sports nur für Soldatinnen und Soldaten vorgesehen. Das zivile Personal musste somit „draußen bleiben“. Dieses galt es nun zu ändern.

Durch den Erlass der ZDv A-840/7 „Teilnahme an Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements“ wurde die Teilnahme für die Angehörigen aller Statusgruppen im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) ermöglicht. Die Teilnahme von zivilem Personal ist nur an Maßnahmen des BGM möglich und nicht am Dienstsport.

Das Ziel des BGM liegt darin, die Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft der Beschäftigten des Geschäftsbereiches BMVg zu fördern und so zum Erhalt und ggf. zur Erhöhung der Einsatz- und Durchhaltefähigkeit sowie der Arbeits- und Dienstfähigkeit des gesamten Personalkörpers beizutragen. Darüber hinaus soll BGM die Attraktivität der Bundeswehr als Arbeitgeber fördern. Es liegt somit grundsätzlich im dienstlichen Interesse. Das BGM besteht aus den Bereichen der Betrieb­lichen Gesundheitsförderung (BGF), dem Arbeits-und Gesundheitsschutz sowie der Führung und Organisation (vgl. ZDv A-840/7, LfdNr. 201).

Etablierung von Bewegungsmaßnahmen

Die BGF unterteilt sich nochmals in die Bereiche Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung und Suchtprävention. Somit deckten die o. a. bisher durchgeführten Präventionskurse an der SanAkBw nur den Bereich der Bewegung ab, einen wichtigen, aber eben nur einen kleinen Teil des BGM. Bei der Implementierung des BGM an der SanAkBw wurde sich zunächst auf diese bestehende Strukturen im Bereich Bewegung fokussiert. Die bereits angebotenen Kurse wurden zu BGM Kursen um deklariert und weitere Kurse, wie z. B. das Faszientraining, neu etabliert. Diese Beschränkung auf den Bereich Bewegung der BGF ist zunächst dem Umstand geschuldet, dass dies am einfachsten in der Bundeswehr umzusetzen ist. Eine entsprechende Infrastruktur, wie Sporthalle und Konditions- und Fitnessraum, ist fast in allen Standorten vorhanden. So auch an der SanAkBw. Zudem konnte in der Akademie auf qualifiziertes Personal, zwei diplomierte Sportwissenschaftler, Sportfeldwebel und Übungsleiter Bw (ÜbLtrBw) im Standortbereich zurückgegriffen werden, so dass nur noch geeignetes Übungsmaterial benötigt wurde. In einem nächsten Schritt wurde das bisherige Sportmaterial des Standortes um weitere Utensilien wie Kleingeräte ergänzt, welche zur weiteren Umsetzung von Kursen im Bereich Bewegung besonders geeignet sind. Nach Abschluss dieser relativ schnell durchzuführenden Maßnahmen bietet die SanAkBw derzeit im Verbund mit den anderen Dienststellen am Standort insgesamt sieben Bewegungsmaßnahmen pro Woche an. Diese werden vom gesamten Personal sehr gut angenommen und die Teilnehmer erfreuen sich am vielfältigen Angebot. Beispielsweise wird ein TRX Kurs organisiert, in welchem die Teilnehmer bei jeder Übung ihre persönliche Intensitätsschwelle wählen können und sich so, trotz eines Gruppenkurses, individuell belasten.

Das Gremium Gesundheit

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BGM Plan Standort München

Neben der Umsetzung von Maßnahmen im Bereich Bewegung des BGF sollte auch die Organisation des BGM am Standort geregelt werden. Der Dienststellenleiter ist der Verantwortliche für das Betriebliche Gesundheitsmanagement seiner Dienststelle und ist gehalten, einen BGM Beauftragten zu bestimmen. Dieser übernimmt dann die Koordinierung und Organisation des BGM für seine Dienststelle. Zudem sollte ein Gremium Gesundheit gegründet werden. In diesem Gremium sitzen Personen mit einer Zuständigkeit im Bereich des BGM, wie z. B. der Dienststellenleiter, der BGM Beauftragte, der Personalrat, der Betriebsarzt, die Fachkraft für Arbeitssicherheit, die Gleichstellungsbeauftragte usw.. Die Mitglieder des Gremiums sollten je nach Standort und Dienststelle individuell festgelegt werden.

An der SanAkBw wurde zum Jahresbeginn 2016 ein gemeinsames Gremium Gesundheit mit den großen Dienststellen am Standort gegründet. Es handelt sich hier um die SanAkBw, das Landeskommando Bayern, das Feldjägerregiment 3, das Kompetenzzentrum Baumanagement München, das Bundeswehrdienstleistungszentrum München, das Karrierecenter der Bundeswehr München und Sanitätsunterstützungszentrum München. Ein solcher Verbund bietet sich dann an, wenn alle betreffenden Dienststellen die gleiche Infrastruktur nutzen und zudem ein gemeinsames Gremium zur Koordinierung der Maßnahmen der verschiedenen Dienststellen des Standortes beauftragt ist. Damit können alle BGM Maßnahmen gemeinsam am Standort für alle Beschäftigten angeboten werden. Der Vorsitz des Gremiums Gesundheit wechselt jährlich zwischen den Dienststellenleitern, so dass sich jede Dienststelle individuell im Schwerpunkt und auch nur als Begleiter einbringen kann. So werden die Kräfte und Mittel bedarfsgerecht eingesetzt und jede Dienststelle kann problemlos ihre originären Aufträge erfüllen.

Die Organisationsstrukturen des BGM

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BGM TRX-Kurs (Abb.: SanAkBw)

Auf Ebene der übergeordneten Führung ist in jedem Organisationsbereich (OrgBer) ein Arbeitskreis Gesundheit (AK Gesundheit) und auf der Ebene BMVg ein Jour fixe BGM etabliert worden. Diese Steuerungselemente leisten ­Beiträge zum BGM in ihrem Verantwortungsbereich und geben diese an die untergeordneten Gremien weiter. Zudem hat das ­KdoSanDstBw Task Force BGM die Aufgabe, das BGM bis zum Jahre 2020 in die Bundeswehr einzuführen. Dazu wurden 44 Dienstposten geschaffen und mit BGM Koordinatoren besetzt. Die Task Force BGM führt die BGM Koordinatoren fachlich. Diese sind über die gesamte Bundesrepublik Deutschland verteilt und beraten bzw. unterstützen die jeweiligen Dienststellenleiter mit ihren BGM Beauftragten bei der Einführung und Durchführung des BGM an der jeweiligen Dienststelle.

Ab wann gilt an einer Dienststelle das BGM als eingeführt?

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Steuerungselemente beim BGM

Die Minimalanforderungen zur Einführung des BGM sind im „Befehl für Einrichtung und Betreiben von Unterarbeitskreisen Gesundheit und Gremien Gesundheit im Kommandobereich Zentraler Sanitätsdienst der Bundeswehr im Rahmen der Implementierung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements“ des Inspekteurs des Sanitätsdienstes vom 16. Dezember 2016 festgelegt. In diesem Befehl wurde definiert, dass die Durchführung einer Kick-Off-Veranstaltung sowie die regelmäßige Durchführung von zwei BGM-Maßnahmen aus dem Bereich des BGF zur Einführung des BGM mindestens notwendig sind. Die SanAkBw hat diese Forderungen wie o.­ a. durch das Angebot von derzeit sieben Maßnahmen bereits erfüllt. Die Durchführung eines Gesundheitstages im Jahre 2015 wurde in München als offizieller Startpunkt des BGM definiert. An diesem Tag hatten alle Beschäftigten der SanAkBw die Möglichkeit, sich in Vorträgen, bei Mitmach-Aktionen und an Infoständen zum Thema BGM und besonders zu den Bereichen Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung und Suchtprävention der BGF zu informieren. Zudem wurden die bereits eingeführten regelmäßigen Maßnahmen aus dem Bereich Bewegung der BGF an diesem Tag als „Schnupperkurs“ angeboten. Wie bereits an der SanAkBw praktiziert, sollten alle Dienststellen praktische Maßnahmen über diese Minimalanforderung hinaus entwickeln und präsentieren. Selbstverständlich werden auch an der SanAkBw weitere Bereiche des BGM für die Angehörigen der hiesigen Dienststellen ausgebracht.

Weitere Maßnahmen an der SanAkBw

Der für den 21. Juni 2017 geplante Gesundheitstag an der SanAkBw soll dafür den Startschuss geben. Es werden dann die Themen Resilienz und Ernährung im besonderen Fokus stehen. In der Folge ist geplant, das Angebot des Betrieblichen Gesundheitsmanagements durch Workshops im Bereich Stressbewältigung und Resi­lienz zu erweitern. So haben die Angehörigen des Standortes die Möglichkeit, sich zunächst an dem Gesundheitstag über diese Thematik zu informieren und in den anschließenden Wochen weitere vertiefende Workshops zu den Themenbereichen zu besuchen. Hierfür wird auch auf die Expertise ziviler Anbieter auf dem Gebiet der Stressbewältigung und Resilienz zurückgegriffen.

BGM lebt vom Mitmachen!!!

Nicht nur die Teilnehmer an BGM Maßnahmen sind wichtig, sondern auch die Motivation und Bereitschaft der Personen, die für Umsetzung und Durchführung verantwortlich zeichnen. Das BGM wird nur gelingen, wenn sich alle aktiv beteiligen. Von der Führungsebene bis zum einzelnen Kursleiter ist das BGM ein Gesamtprojekt an einer Dienststelle und kann einen wesentlichen Mehrwert für Soldatinnen und Soldaten wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erzielen.

 

Anschrift des Verfassers:

Dipl.-Sportwiss. Frank Stockhorst,
Sanitätsakademie der Bundeswehr
Fachbereich A4 Truppenfachlehrer Sport
Neuherbergstr. 11
80937 München
E-Mail: frankstockhorst@bundeswehr.org­57

Autor: Frank Stockhorst

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