Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2/2017

Lehr- und Forschungsstelle für ­Wehrmedizinische Ethik an der SanAkBw nimmt ihre Arbeit auf

Mit Ende des letzten Jahres wurde an der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München die durch Drittmittel der Katholischen Soldatenseelsorge finanzierte Lehr- und Forschungsstelle für Wehrmedizinische Ethik eingerichtet. Die wissenschaftliche Leitung ist dem Mediziner, Philosophen und Theologen Dr. Dirk Fischer anvertraut. Als Assistentin steht ihm die Sozialpädagogin, Philosophin und Theologin Frau Regina Meyer zur Seite.

Lehr- und Forschungsstelle für ­Wehrmedizinische Ethik an der SanAkBw nimmt ihre Arbeit auf

Frau Regina Meyer und Dr. Dirk Fischer (Abb.: Flottenarzt Dr. Hartmann)

Die zunehmende Relevanz medizinischer Fragestellungen nicht nur im zivilen, sondern auch im militärischen Kontext führte in den letzten Jahren zur Entwicklung des eigenständigen Faches „Wehrmedizinethik“ (Military Medical Ethics). Wehrmedizinethische Fragestellungen lassen sich sowohl aus medizinethischer als auch aus militärethischer Perspektive angehen. Die besonderen Erfordernisse, mit denen es der Sanitätsdienst der Bundeswehr in den Auslandseinsätzen der vergangenen Jahre zu tun hatte, führten jedoch dazu, dass ein eigenständiger Reflexionsbereich wehrmedizinethischen Fragens sowohl systematisch als auch institutionell ausgewiesen wurde. Das Ergebnis einer längeren Planungsphase, wie dies geschehen kann, ist die nunmehr eingerichtete Lehr- und For­schungs­stelle für Wehrmedizinische Ethik an der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München. Zu ihren Kernaufgaben zählt es, Fragestellungen, die international vermehrt seit den 1990er Jahren aufgekommen sind, aufzugreifen und aus sanitätsdienstlicher Perspektive weiter zu entwickeln.

Der wissenschaftliche Leiter der Lehr- und Forschungsstelle für Wehrmedizinische Ethik ist dem Sanitätsdienst der Bundeswehr seit vielen Jahren eng verbunden und hat sich bereits auf vielfältige Art und Weise in den bundeswehrinternen Diskurs um wehrmedizinethische Probleme eingebracht. Im Auftrag der Bundeswehr konnte er darüber hinaus auch international bei Arbeitsgruppen und Lehrgängen reiche Erfahrungen sammeln. Für Dr. Fischer stellt die ihm übertragene Aufgabe eine spannende Herausforderung dar: „Es ist eine besondere Chance, einen Beitrag bei der Entwicklung eines neuen Faches Wehrmedizinethik leisten zu dürfen. Gerade den hierbei unumgänglichen interdisziplinären Ansatz, das heißt die Notwendigkeit, medizinische, philosophische und theologische Positionen miteinander in Dialog zu bringen, finde ich sehr spannend. Nicht zuletzt sind es auch die Berührungspunkte zwischen Ethik und Geschichte, die mich als Medizinhistoriker faszinieren.“ Der heute 41-Jährige hat in Lübeck, München, Rom und Frankfurt a. M. zunächst Humanmedizin, anschließend Philosophie und Theologie studiert. Einer ersten Dissertation in Medizingeschichte folgte eine zweite in Moraltheologie. „Dank der großzügigen finanziellen Unterstützung des Katholischen Militärbischofs­amtes in Berlin und der logistischen Hilfestellung seitens der Sanitätsakademie sowie der Universität der Bundeswehr in München konnten wir endlich unsere Arbeit aufnehmen. Eine besondere Hilfe stellt hierbei die tatkräftige Unterstützung durch Frau Regina Meyer dar.“ Auch Meyer verfügt über einen breiten akademischen Horizont; sie studierte Sozialpädagogik, Philosophie und Theologie in Benediktbeuern, Rom und Eichstätt. Derzeit arbeitet sie an ihrer theologischen Dissertation im Bereich der Kirchengeschichte. Neben ihrer halben Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Moraltheologie an der Katholischen Universität Eichstätt nimmt sie seit Anfang April eine Assistentenstelle an der Lehr- und Forschungsstelle wahr: „Das Stellenangebot hat mich sofort fasziniert. Die Wehrmedizinethik ist ein Themenfeld, das sowohl Naturwissenschaftler als auch Geisteswissenschaftler betrifft. Nicht oft hat man die Möglichkeit, bei der Geburt eines neuen Faches dabei sein zu dürfen. Ich glaube, wir schreiben hier tatsächlich Geschichte.“

Die Auseinandersetzung mit wehrmedizinethischen Fragen im Sanitätsdienst der Bundeswehr ist dabei nicht neu. Seit jeher hat sich sanitätsdienstliches Personal mit der Frage nach verantwortungsvollem Handeln auch unter den besonderen Bedingungen des Krieges beschäftigt. In jüngerer Zeit fanden hierzu beispielsweise wichtige Tagungen statt, die sehr erfolgreich vom Zentrum für ethische Bildung in den Streitkräften (Zebis) und der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München durchgeführt wurden. Seit einiger Zeit gehört die Wehrmedizinethik auch zum festen Bestandteil von Lehrgängen an der Akademie. Dabei ist es der Lehr- und Forschungsstelle für Wehrmedizinische Ethik ein wichtiges Anliegen, einen Beitrag für eine wissenschaftlich fundierte ethische Ausbildung der Soldatinnen und Soldaten zu leisten. Neben allgemeinen wehrmedizinethischen Fragen sind es für Fischer vor allem einsatzmedizinethische Fragen, die eine erhebliche Relevanz für den Einzelnen haben: „Es erscheint mir dringend geboten, im Rahmen der Ausbildung junger Soldatinnen und Soldaten den Grundstein zu legen für das, was ich einen moral fitness nenne. Neben körperlicher und mentaler Fitness bedarf es einer solchen, um die zum Teil hoch komplexen Entscheidungsfindungssituationen im Einsatz zu meistern.“ In ihrer Arbeit weiß sich die Lehr- und Forschungsstelle für Wehrmedizinische Ethik eng verbunden mit den Fragen und Problemen des Sanitätspersonals. Sie bilden das Fundament für die zunächst auf sechs Jahre festgesetzte Forschungsarbeit, über die Dr. ­Fischer sagt: „Wehrmedizinethische Forschung muss Forschung im Dialog sein! Dies ist uns ein besonderes Anliegen.“

lfwme@bundeswehr.org

Autoren: Dirk Fischer, Regina Meyer

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